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Forschungsinstitut für Musiktheater

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Musik - Stimme - Geschlecht

Das Projekt untersuchte Opernstimmen und ihre geschlechtlichen Kontexte im 19. Jahrhundert. Es entwickelte einen eigenen methodischen Ansatz, um der Faszination Opernstimme in großer zeitlicher Distanz nachzukommen. Dieser Ansatz wurde als Historische Aufführungsforschung in der Musik eingeführt.

Gezeigt hat sich, dass man im 19. Jahrhundert beginnt, sich über die Medialität von Musik und Oper auseinanderzusetzen. Das Ephemere, das die Faszination des Opernerlebens ausmacht, wird als inadäquat im Kunstdiskurs entdeckt, weshalb gerade die Opernstimme nach einer neuen Medialität drängt. Es zeigte sich zudem, dass die Anlage zur Methodenfindung in einem Work in Progress sinnvoll war. Die Grundidee des methodischen Zugriffs geht von der theaterwissenschaftlichen Grundüberzeugung aus, dass das Ereignis der Aufführung in seiner Flüchtigkeit unwiderruflich verloren ist.

Die so gefundenen konkreten Quellen als materielle Rekurse auf das Ephemere wurden in einem weiten Bezugsrahmen, der zusätzliche Quellen nach sich zog, untersucht. Für den Fall der Uraufführungspartien wurde in Ergänzung zu der Grundmethode ein System entwickelt, anhand dessen die Komposition als ein Rekurs auf das Phänomen Aufführung und somit auf die stimmlichen Möglichkeiten des Sängers bzw. der Sängerin betrachtet werden konnte. So zeigte sich, dass die Erforschung einer Stimme und ihrer körperlichen Darstellung auch aus der recht großen historischen Distanz möglich ist.

Es wurde aber auch deutlich, dass Forschungen zu historischen Opernstimmen deutlich aufwendiger ausfallen als angenommen. Deshalb ist es auch schlüssig, dass der Fall, der bis dato durch die Vorarbeiten des Antragstellers am besten bearbeitet war, auch innerhalb des Projekts am weitest gehenden zu belastbaren Ergebnissen führen konnte. Zwar wurden für alle drei Sänger*innen Giovanni Battista Velluti (1780–1861), Wilhelmine Schröder-Devrient (1804–1862) und Anna Bahr-Mildenburg (1872–1947) viele Quellen gefunden, die Auswertung aber war nur in dem deutlich besser vorbereiteten Fall von Schröder-Devrient in der vorgesehenen Weise möglich und hat zudem selbst deutlich mehr Zeit in Anspruch genommen als vermutet.

Wie im Projekt erarbeitet wurde, rekurriert die Faszination der Rezipient*innen wesentlich auf das Körperlich-Stimmliche und das Darstellerische. Weniger stark als vermutet wurde in den Quellen auf das Geschlechtliche Bezug genommen, das sich eher in den Rollen selbst sowie in den weiteren Kontexten als wichtig erwiesen hat.

Auswahl der wichtigsten Publikationen:

a) Publikationen mit wissenschaftlicher Qualitätssicherung, Bücher

Saskia Woyke, Katrin Losleben, Stephan Mösch, Anno Mungen (Hrsg.) Singstimmen: Ästhetik – Geschlecht – Vokalprofil, Bericht zum Symposion Mai 2012, Thurnau, ( = Thurnauer Schriften zum Musiktheater 28), Würzburg 2017

Dimitra Will, „Geisterstimmen aus höheren Welten“. Untersuchungen zum Alt-Diskurs des 19. Jahrhunderts, Würzburg 2020

Anno Mungen, Die dramatische Sängerin Wilhelmine Schröder-Devrient. Stimme, Medialität, Kunstleistung ( = Thurnauer Schriften zum Musiktheater 37), Würzburg 2021

Katrin Losleben, Unternehmen Mittelklasse, ein unpassender Kastrat und wer am lautesten schreit: Das schwierige Verhältnis der Times zu Giovanni Battista Velluti, in: European Journal of Musicologyhttps://bop.unibe.ch/ejm, Band 19, Nr. 1 (2020).

b) andere Veröffentlichungen

Anno Mungen, „In einer selbstgeschaffenen Manier“ –  Die Stimme der Wagnersängerin Wilhelmine Schröder-Devrient am Beispiel Adriano in „Rienzi“, Helmut Loos und Richard-Wagner-Verband Leipzig e.V. (Hrsg.), Richard Wagner: Persönlichkeit, Werk, Wirkung, Leipzig 2013, S. 323–329

Anno Mungen, „Ich, Isolde!“ – Wagners Figur im Spiegel von Weiblichkeitsdiskursen und Frauenbildern im 19. Jahrhundert, in: Melanie Unseld (Hrsg.), Wagner – Gender – Mythen, Bericht zum Symposion Universität Oldenburg in Kooperation mit dem Oldenburgischen Staatstheater, November 2013, ( = Wagner in Diskussion 13) Würzburg 2015, S. 57–87

Björn Dornbusch, „Rollen für eine Sängerin. Wilhelmine Schröder-Devrient und Richard Wagner an der Dresdner Oper“, in: Richard Wagner – kgl. Kapellmeister in Dresden. Wissenschaftliche Referate des Internationalen Richard Wagner-Symposions Dresden, 24.-27. Januar 2013, hg. von Ortrun Landmann, Wolfgang Mende und Hans-Günter Ottenberg, Hildesheim u.a. 2016, S. 305–325.

Anno Mungen [2017a], Historische Aufführungsforschung in der Musik: Zu methodologischen Perspektiven der Opernstimme, in: Saskia Woyke, Katrin Losleben, Stephan Mösch, Anno Mungen (Hrsg.), Singstimmen: Ästhetik – Geschlecht – Vokalprofil, Bericht zum Symposion Mai 2012, Thurnau, ( = Thurnauer Schriften zum Musiktheater 28), Würzburg 2017, S. 303–326

Anno Mungen [2017b], Oper, Erotik, Körper: Wie Wilhelmine Schröder-Devrient Wagners Venus wurde, in: Anno Mungen, Nicholas Vazsonyi, Julie Hubbert, Ivana Rentsch, Arne Stollberg (Hrsg.), Music Theater as Global Culture. Wagner’s Legacy Today, ( = Thurnauer Schriften zum Musiktheater 25), Würzburg 2017, S. 301–326

Björn Dornbusch, „Sängerinnenwettstreit. Diskursive Funktionen des Vergleichs von Maria Malibran und Wilhelmine Schröder-Devrient“, in: Saskia Woyke, Katrin Losleben, Stephan Mösch, Anno Mungen (Hrsg.),  Singstimmen. Ästhetik – Geschlecht – Vokalprofil, Würzburg 2017 ( = Thurnauer Schriften zum Musiktheater, Bd. 28), S. 255–276.

Anno Mungen, Norma und andere: Das italienische Repertoire von Wilhelmine Schröder-Devrient, in: Stiftung Staatstheater Nürnberg (Hrsg.), Gesungene Welten ( = Musiktheater im Dialog 6), S. 16–30, Nürnberg 2018 (auch erschienen in: Die Tonkunst, Oktober 2018, S. 390–397).

Events, Vorträge und Veröffentlichungen

> Februar 2017

Saskia Maria Woyke, Katrin Losleben, Stephan Mösch, Anno Mungen (Hg.), Singstimmen. Ästhetik ─ Geschlecht ─ Vokalprofil (= Thurnauer Schriften zum Musiktheater 28), Würzburg 2017.

> Februar 2017

Saskia Maria Woyke, Stimme, Ästhetik und Geschlecht in Italien 1600─1750 (= Thurnauer Schriften zum Musiktheater 33), Würzburg 2017.

> Februar 2014

Freundschaft, Liebe und Stimme - Gedanken zur Besetzungspraxis von La Clemenza di Tito, Programmheft der Bayerischen Staatsoper München, 2014, S. 98─113, Saskia Maria Woyke, Katrin Losleben.

> Januar 2014

„Hasses Sängerinnen und Sänger 1726─1732: Anmerkungen zu Vokalprofilen und Besetzungspraxis im italienischen Gesamtkontext“, in: Johann Adolf Hasse: Tradition, Rezeption, Gegenwart. Bericht über das Symposion vom 23.─25. April 2010, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, hg. von Wolfgang Hochstein, Stuttgart: Carus 2013 (= Schriftenreihe der Hasse-Gesellschaften in Hamburg─Bergedorf und München, Hasse-Studien Band 3), S. 33─48, Saskia Maria Woyke.

> Dezember 2013

Musik und Männlichkeiten in Deutschland seit 1950. Interdisziplinäre Perspektiven, hg. von Marion Gerards, Martin Loeser und Katrin Losleben (= Beiträge zur Kulturgeschichte der Musik, 8), München 2013.

> 11.12.2013

Stimmaufführungen ohne Körper und Szene? Strategien des post-tridentinischen Italien im Umgang mit der menschlichen Stimme, Ringvorlesung Körper und Szene, Emerging Field Kulturbegegnungen und transkulturelle Prozesse: "Wissen - Medien - Kommunikation“, Universität Bayreuth, Saskia Maria Woyke.

> 8.11.2013

„Ich, Isolde!“ – Wagners Figur im Spiegel von Weiblichkeitsdiskursen und Frauenbildern um 1865, Konferenz zum Wagnerjahr, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Anno Mungen.

> 19.6.2013

„Se cangio spoglia...“ – Travestierollen im frühen Settecento, Kommentiertes Konzert im Ahnensaal Schloss Thurnau, Kooperation mit der Hochschule für Musik Nürnberg, Konzeption: Elisabeth Scholl-Pöllmann, Sarah Manthey.

> 24.6.2013

Stimme und Geschlecht eines Gesangstars: Wilhelmine Schröder-Devrient, Ringvorlesung an der Universität der Künste Berlin, Anno Mungen.

> 21.5.2013

„‚In einer selbstgeschaffenen Manier.‘ ─ Die Stimme der Wagnersängerin Wilhelmine Schröder-Devrient (1804-1860) am Beispiel Adriano in Rienzi“, Internationale Wagner Konferenz, Leipzig, Anno Mungen; erschienen in: Richard Wagner: Persönlichkeit, Werk, Wirkung, hrg. von Helmut Loos und Richard-Wagner-Verband Leipzig e.V., Leipzig 2013, S. 323─329.

> 15.5.2013

Nicht allein Dramma per musica: Musiktheater im barocken Karneval Venedigs und Roms, Vortrag Konservatorium Privatunterricht Wien, Saskia Maria Woyke.

> 11.4.2013

Voices at Risk?, University of Amsterdam, Anno Mungen

> 2.3.2013

Performance, Genius, Sex: Wagner and Wilhelmine Schröder-Devrient, WagnerWorldWide: America, University of South Carolina, Anno Mungen.

> 23.1.2013

"Rollen für eine Sängerin ─ Wilhelmine Schröder-Devrient und Richard Wagner an der Dresdner Oper", Internationales Symposium Richard Wagner in Dresden ─ Richard Wagner und Dresden, Technische Universität Dresden, Björn Dornbusch.

> 9.1.2013

Voices at Risk? Ringvorlesung World at Risk der Universität Bayreuth, Anno Mungen.

> 4.12.2012

Voicing Gender Trouble: die Stimme Giovanni Battista Vellutis, Ringvorlesung des Musikwissenschaftlichen Instituts der Universität Basel, Katrin Losleben.

> 23.11.2012

Workshop Gender – Performativität – Androgynie, Katrin Losleben in Kooperation mit der Hochschule für Musik und Tanz Köln.

> 2012

Rezension Francesco Cotticelli, Paologiovanni Maione (Hg.): Musik und Theater in Neapel im 18. Jahrhundert, Kassel u.a: Bärenreiter-Verlag/Neapel: Centro di Musica Antica Pietà de'Turchini, Turchini Edizioni 2010. 2 Bände, in: Oliver Huck, Rebecca Grotjahn, Klaus Pietschmann (Hg.): Die Musikforschung, 65. Jahrgang 2012, S.49─51, Saskia Maria Woyke.

> 18.11.2012

Hat die Stimme ein Geschlecht? Anmerkungen zur Ästhetik der Singstimmen im Italien Johann Adolph Hasses, Vortragsreihe der Johann Adolph Hasse Gesellschaft, München, Saskia Maria Woyke.

> Oktober 2012

Musik und Gender. Ein Reader, hg. von Florian Heesch und Katrin Losleben (= Musik – Kultur – Gender, 10), Köln u.a.: Böhlau Verlag.

> 6.10.2012

Politik durch Sound und Performance, Kongress der Gesellschaft für Theaterwissenschaft Sound und Performance, Universität Bayreuth, Saskia Maria Woyke.

> 13.9.2012

Das Heroische in der italienischen Oper des 17. Jahrhunderts: Versuch einer Klärung des Begriffs. Das Heroische in der Musik – Begriffswandel und musikalische Analyse, Universität Leipzig, Saskia Maria Woyke.

> 17.5.-19.5.2012

Symposium Singstimmen: Ästhetik, Geschlecht, Vokalprofil, Konzeption und Leitung: Stephan Mösch, Anno Mungen, Saskia Maria Woyke.

> 17.5.2012

Die doppelte Stimme? Konzert mit Kai Wessel und Markus Märkl. Arien und Kantaten von Francesco Antonio Mamiliano Pistocchi, Baldassare Galuppi, Johann Adolf Hasse, Georg Heinrich Bümler, Domenico Scarlatti und Benedetto Marcello, Saskia Maria Woyke.

> März/April 2012

„Zum Status quo und Problemen der Forschung zur sogenannten gegengeschlechtlichen Besetzungspraxis nebst einer Besprechung der Neupublikationen von Kordula Knaus (Schwerpunkt 1600─1800) und Marco Beghelli (Schwerpunkt: 1800─1920)“, in: Act. Zeitschrift für Musik und Performance. März/April 2012. Saskia Maria Woyke.

> 2011

Una bravissima cantante: "Tentativo di una rivalutazione della professionalità artistica della cantante e amica di Casanova Teresa Pompeati Imer Cornelys", in: Intermediaire des Casanovistes, Genf 2011 (Année XXVIII), S. 21–25, Saskia Maria Woyke.

> 26.9.2011

Kastraten und Sängerinnen der italienischen Oper des 17. und 18. Jahrhunderts: Überlegungen zur Medialität von (hoher) Stimme, Körper und Gebärdenkunst, Romanistik im Dialog. XXXII. Romanistentag Berlin, Sektion Medienkomination Oper, Saskia Maria Woyke.

> 28.5.2011

Anmerkungen zu Vokalprofilen von Tenören in der Opera seria des 18. Jahrhunderts, Internationale wissenschaftliche Tagung Der Tenor ─ Mythos, Geschichte, Gegenwart, Katholische Akademie Schwerte, Saskia Maria Woyke.

> 20.11.2010

Voci e generi: canto e identità sessuale nella musica italiana, 1600─1750, XVI Colloquio di musicologia, Dipartimento della musica e dello spettacolo, Università Bologna, Saskia Maria Woyke.

> 15.4.2010

Die Metapher der Engelsstimmen: Beschreibungen von Frauen- und Kastratenstimmen in Venedig und Rom vor dem kulturellen Hintergrund des italienischen späten Seicento, Konferenz Liturgie im Aufbruch, Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar, Saskia Maria Woyke.

> 25.4.2010

Die Vokalprofile von Hasses Sängerinnen und Sängern 1726─1732, Konferenz Johann Adolf Hasse: Tradition, Rezeption und Gegenwart, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, Saskia Maria Woyke.

> 10.10.2009

„Händel al Markgräfliches Opernhaus di Bayreuth“, Konferenz Statue, obelischi, e fiere: Händel in scena tra storia e presente. Siena, Festival Contemporaneamente Barocco/Universität Pavia, Saskia Maria Woyke.


Verantwortlich für die Redaktion: Jonas Christian Würdinger

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