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Vortrag von Dr. Marie-Anne Kohl am 7.7

Am 7.7.2018 wird Dr. Marie-Anne Kohl bei der Konferenz Körper · Konzepte · Konstruktionen. ›Sex‹ und ›Gender‹ im Neue-Musik-Diskurs von der Gegenwart bis in die 1950er Jahre vom 6.7. bis 8.7. an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg einen Vortrag halten.

Das Programm zum Kongress finden Sie hier. Herzliche Einladung!

180615_kohl_vortragLaura Mello, "Parallels", Screenshots, 2008.

A tool is a tool is a tool. Or is it?

Einige Gedanken über die Bedeutung von Stereotypen und Vorbildern in der Neuen Musik

Die von Ashley Fure in ihrer GRID-Studie 2016 veröffentlichten Daten zeigen nicht nur die anhaltende Unterrepräsentanz von Frauen bei den Darmstädter Ferienkursen, sie zeigen auch, dass parallel zu einer immerhin steigenden Präsenz von Komponistinnen in den Programmen auch die anteiligen Zahlen von Teilnehmerinnen an den Kursen steigen. Ob hier von einem direkten kausalen Zusammenhang ausgegangen werden kann, lässt sich aus den Daten nicht direkt herauslesen. Wie wichtig jedoch die Funktion weiblicher Vorbilder für die künstlerische Orientierung von Studentinnen ist, zeigt u.a. auch die 2016 erschienene Studie „Frauen in Kultur und Medien“ des deutschen Kulturrats. Diese Funktion geht weit über die reine Präsenz weiblicher Vorbilder hinaus und stellt bspw. nachhaltig wirkmächtige Stereotypen in Frage. Spezifische Musikstile, Instrumente oder musikalisches Verhalten sind geschlechterstereotyp codiert, worüber auch die musikalische Sozialisation von Individuen beeinflusst wird. Doch während Künstlerinnen bereits in der Frühzeit der Performancekunst, oder etwa auch der vokalen Performancekunst, in den 1970ern durch neue künstlerische Praxisformen und Themensetzungen Axiome in Frage stellten, nach denen Kunst, mithin Musik, angeblich neutral, objektiv und geschlechts- und körperlos sein, halten sich solche Diskurse hartnäckig. Die Inszenierung angeblicher Neutralität verschleiert dabei stets die Setzung unmarkierter Subjektpositionen als normativ, die in der Regel weiß, männlich, gesund sind. Der Nachweis bleibt unweit schwer, gerade da die Norm als angeblich neutral unmarkiert bleibt. Künstler*innen, die der Norm nicht entsprechen, werden hingegen als „andere“ markiert. Dass der un/markierte Körper sehr wohl eine Rolle spielt in der Wirkmächtigkeit von Stereotypen, zeigen Erwartungshaltungen und Zuschreibungen, die bestimmtes musikalisches Handeln mit spezifischen Personen, mit spezifischen körperlichen Merkmalen in Zusammenhang bringen. In meinem Beitrag möchte ich anhand zweier Beispiele aus dem US-amerikanischen Raum (Pamela Z) und der internationalen Berliner Szene (Laura Mello) vorstellen, wie zwei Komponistinnen stereotype Zuschreibungen künstlerisch thematisieren und damit neue Vorbildfunktionen entwickeln könnten.

180615_kohl_vortrag2Laura Mello, "Parallels", Screenshots, 2008.


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